Jahresbilanz am Ausbildungsmarkt in Bonn/Rhein-Sieg 2021/2022

"Wer mit uns geht, hat gute Chancen anzukommen!"

Bernd Lohmüller, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit Bonn, sagt: „Das letzte Berufsberatungsjahr hat gezeigt: Wer mit uns zusammenarbeitet, hat eine große Chance auf Erfolg! Auch wenn das vergangene Jahr weiterhin von den pandemischen Auswirkungen geprägt war, ist es uns gelungen, viele junge Menschen in eine Ausbildung zu vermitteln!“

Der strukturelle Trend auf dem Ausbildungsmarkt schreitet dennoch weiter fort. Die Zahlen der Bewerbenden aber insbesondere der gemeldeten Ausbildungsstellen sinken. Mögliche Gründe hierfür können etwa geänderte berufliche Wünsche von Schulabsolventinnen und Schulabsolventen sein oder, dass die Qualifikationen der Bewerbenden nicht dem Anforderungsprofil der Betriebe entsprechen. Es kann aber auch sein, dass Ausbildungsbetriebe nicht davon ausgehen, Nachwuchskräfte über die Agentur für Arbeit zu finden.

Auch wenn der Krieg in der Ukraine, Lieferengpässe, Preiserhöhungen und insbesondere die unsichere Energieversorgung die wirtschaftliche Entwicklung belasten, werden Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt dringend gebraucht. Dabei ist die duale Ausbildung die wichtige Säule für die Betriebe zukunftsfähig zu bleiben.

v.l. Jürgen Hindenberg, Bernd Lohmüller, Dr. Lars Normann, Oliver Krämer

Bilanz der Arbeitsagentur Bonn

Gemeldete Ausbildungsstellen und Bewerberinnen/Bewerber

Die Agentur für Arbeit konnte im zurückliegenden Berichtsjahr 4.538 Ausbildungsstellen verzeichnen. Das sind -288 oder -6,0 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl gemeldeter Bewerberinnen und Bewerber sank ebenfalls geringfügig zum Vorjahr um -81 (-1,7 Prozent) auf insgesamt 4.671.
Der wachsende Bestand an unbesetzten Ausbildungsstellen und die vergebliche Bewerbersuche sind mit die wichtigsten Gründe für Rückgänge in der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung. Hinzu kommen Verunsicherungen am Arbeitsmarkt, die mit Beginn der Covid-19 Pandemie zugenommen haben und durch Materialengpässe, Energiekrise sowie durch die Folgen der EU-weit verhängten umfangreichen wirtschaftlichen Sanktionen in Folge des Ukraine-Kriegs überlagert werden.
Der erneute Rückgang der Bewerberinnen und Bewerber für eine duale Ausbildung liegt im Agenturbezirk im Wesentlichen daran, dass junge Menschen Alternativen im tertiären Bildungsbereich, beispielsweise den Besuch einer Fachhochschule, suchen. Viele Jugendliche streben einen höheren Schulabschluss an oder beginnen nach dem Abitur ein Studium.
Seit Beginn des Beratungsjahres (1. Oktober 2021) sind der Agentur für Arbeit Bonn die meisten Stellen zu den folgenden Berufsgruppen gemeldet worden: Verkauf (ohne Produktionsspezialisierung) (659), Arzt- und Praxishilfe (536), Büro und Sekretariat (337), Energietechnik (191), Verwaltung (131), Lagerwirtschaft, Post, Zustellung, Güterumschlag (145), Klempnerei, Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik (110), Informatik (115), Speisenzubereitung (101), Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt-, Schiffbautechnik (100).

Bernd Lohmüller betrachtet die Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt insgesamt zuversichtlich. „Mit den verbesserten digitalen Möglichkeiten, der Video-Telefonie und digitalen Veranstaltungsformaten, ist es möglich, auch in Zeiten mit steigenden Infektionen, mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen und sie durchgängig zu beraten. Mit dem einsetzenden Frühjahr 2022 gingen die Infektionen zurück und Beratungen an den Schulen waren wieder realisierbar. Insbesondere durch verstärkte Praktika-Angebote sollte auf den Abschluss von Ausbildungsverträgen hingewirkt werden. Die großartigen Chancen des Ausbildungsmarktes werden wir gemeinsam mit unseren Netzwerkpartnern aus dem „Bündnis für Fachkräfte“ noch sichtbarer machen. Wer mit uns zusammen geht, hat sehr gute Chancen seine Ziele zu erreichen.“
„Vordergründig kann das Handwerk mit der Entwicklung des Ausbildungsmarkts durchaus zufrieden sein. Wir freuen uns über 1.428 neue Ausbildungsverträge in der Region Bonn/Rhein-Sieg. Dies entspricht einem Plus von 3 % gegenüber dem Vorjahr. Dieser positive Trend zeigt sich im gesamten Bezirk der Handwerkskammer zu Köln“, sagt Oliver Krämer, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg.
„Trotz Corona-Pandemie und Wirtschaftskrise lässt sich ein positiver Trend auf dem regionalen Ausbildungsmarkt erkennen. Zum 30. September 2022 wurden bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg 2.489 neue Ausbildungsverträge registriert. Das sind 71 Verträge mehr als zum gleichen Stichtag im Vorjahr – ein Zuwachs von immerhin 2,9 Prozent“, so Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

Offene Ausbildungsstellen und unversorgte Bewerberinnen/Bewerber

Die Bilanz am Ende des Beratungsjahres zeigt, dass auf 196 unversorgte Bewerber 315 offene Stellen kommen. Das bedeutet eine Relation von 1 unversorgten Bewerberin/Bewerber zu 1,6 unbesetzten Berufsausbildungsstellen. Zum Vorjahr fiel die Anzahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber um -28,7 Prozent, dagegen stieg die Anzahl der unbesetzten Ausbildungsstellen um +54,4 Prozent. „Die Zahlen von unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern und offenen Stellen können natürlich nie eins zu eins aufgehen. Dennoch hat sich der Ausbildungsmarkt in vielen Teilbereichen zu einem Bewerbermarkt gewandelt. In der Folge verändern sich auch die Erwartungen an Unternehmen. Dennoch bietet sich jetzt noch die Chance für Betriebe, ihre offenen Ausbildungsstellen zu besetzen und die eigene Zukunft zu sichern“, so Bernd Lohmüller.
„Wir sind für das laufende Ausbildungsjahr vorsichtig optimistisch gestimmt und mit neuem Schwung in den Herbst gestartet.“, so Dr. Lars Normann, Leiter der Berufsberatung. „Soweit wir es jetzt absehen können, verfolgt die Bildungspolitik den Ansatz, die Schulen geöffnet zu lassen. Außerdem haben wir die Impfungen und aus dem Umgang mit dem Covid-19 Virus gelernt. Dies gibt uns die Chance, ohne Unterbrechung im ganzen Schuljahr an Schulen präsent zu sein, um mit guter Beratung mehr Orientierung zu geben und die Jugendlichen auf dem Weg zur erfolgreichen Berufswahl zu begleiten. Wir freuen uns auf die Möglichkeiten, nicht nur den täglichen Beratungen an den Schulen nachzukommen, sondern wieder mehr Präsenzveranstaltungen gestalten und mitgestalten zu können!“

In Hinblick auf die Kammerbilanzen sind folgende Ergebnisse zu nennen:

Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg

Jürgen Hindenberg sagt: „Über eine Imagekampagne und die Steigerung der Berufsinformationsveranstaltungen an Schulen soll es uns gelingen, mehr Bewerberinnen und Bewerber für das Duale System zu gewinnen. Wir appellieren an die Politik, sich offener als bisher gegenüber Geflüchteten, auch aus Drittstaaten, zu zeigen sowie die Sprachförderung an den Schulen zu stärken. Auch die IHK wird die Schuleinsätze ihrer ehrenamtlichen Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter, ihr Projekt „Passgenaue Besetzung“ sowie das Engagement der Willkommenslotsinnen und -lotsen weiter fortsetzen: Wir brauchen, gerade in diesen Zeiten, Perspektiven für die heimische Wirtschaft!“

Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg

„Der positive Trend reicht nicht annähernd aus, um den tatsächlichen Bedarf an Fachkräften in den nächsten Jahren abzudecken. Der Fachkräftemangel ist nach wie vor groß. Betrachtet man die Gesamtsituation, so ist die Entwicklung als sehr alarmierend einzustufen.

Das derzeitige Image wird dem Handwerk nicht gerecht. Das Handwerk muss bei der Berufswahl wieder mehr in den Blickpunkt der Jugendlichen, der Eltern und der Lehrer rücken. Es bietet krisensichere Jobs und tolle berufliche Perspektiven,“ so Oliver Krämer.

Die Ausbildungsmarktpartner lassen nichts unversucht im neuen Ausbildungsjahr möglichst vielen Jugendlichen eine passende Ausbildung anzubieten.

Vom 13. bis 17. März 2023 findet die bundesweite ‚Woche der Ausbildung‘ unter dem Motto: „Ausbildung ist Zukunft“ statt. In dieser Woche bietet die Agentur für Arbeit Bonn, gemeinsam mit Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg und der Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg viele regionale Angebote und Beratungen zu den Themen Ausbildung oder auch Praktikum an.